Anwendungen

1. Befestigungsgewinde

Diese Gewinde dienen dazu, Bauteile fest miteinander zu verbinden. Sie sind selbsthemmend, das heißt, sie lösen sich unter normaler Belastung nicht von allein.

  • Metrisches ISO-Regelgewinde (M)
    • Anwendung: Der absolute Standard im Maschinenbau, Fahrzeugbau und Bauwesen. Normale Schrauben, Muttern und Gewindestangen.
    • Erklärung: Es ist das "Allround-Gewinde". Wenn nichts anderes angegeben ist, wird dieses Gewinde verwendet. Es bietet eine gute Balance aus Belastbarkeit und Selbsthemmung.
  • Metrisches Feingewinde (MF)
    • Anwendung: Messgeräte (Mikrometerschrauben), Uhren, Fahrzeugbau (z. B. Radbolzen, Stoßdämpfer), Einstellschrauben.
    • Erklärung: Hat eine geringere Steigung als das Regelgewinde (die Gänge liegen enger beieinander).
      • Vorteil: Höhere Selbsthemmung (löst sich schwerer bei Vibration), feineres Einstellen möglich und der Kerndurchmesser ist größer, was die Schraube stabiler macht.
  • UN-Gewinde (UNC / UNF)
    • Anwendung: US-amerikanische Produkte, Luft- und Raumfahrt, ältere britische Fahrzeuge, Computertechnik (z. B. Gehäuseschrauben, Stativgewinde bei Kameras).
    • Erklärung: Das amerikanische Gegenstück zum metrischen System (Zoll-basiert). UNC ist das Grobgewinde (Coarse), UNF das Feingewinde (Fine).

2. Rohrgewinde

Diese Gewinde werden speziell für Leitungen, Rohre und Fittinge verwendet.

  • Whitworth-Rohrgewinde (G)
    • Anwendung: Pneumatik-Anschlüsse, Wasserhähne, Hydraulikverschraubungen.
    • Erklärung: Ein zylindrisches Gewinde. Es dichtet nicht im Gewinde selbst ab. Die Dichtheit wird durch eine Dichtscheibe, einen O-Ring oder Dichtband außerhalb des Gewindegangs erreicht.
  • Whitworth-Rohrgewinde (R / Rp)
    • Anwendung: Gas- und Wasserinstallationen, Heizungsbau.
    • Erklärung: Hier ist das Außengewinde (R) meist kegelig (konisch). Beim Einschrauben verklemmt sich das Gewinde zunehmend und dichtet (oft mit etwas Hanf oder Teflonband) direkt im Gewinde metallisch ab.

3. Bewegungs- und Spezialgewinde

Diese Gewinde sind oft nicht selbsthemmend oder nur schwer lösbar. Sie dienen der Kraftübertragung oder speziellen Umgebungen.

  • Trapezgewinde (Tr)
    • Anwendung: Leitspindeln an Drehbänken, Schraubstöcke, Wagenheber, Spindelpressen.
    • Erklärung: Das Profil ist dick und trapezförmig. Es kann sehr große axiale Kräfte in beide Richtungen aufnehmen und wandelt Drehbewegung effizient in lineare Bewegung um.
  • Sägengewinde (S)
    • Anwendung: Hubspindeln, schwere Pressen, Spannzangen.
    • Erklärung: Das Profil sieht aus wie Sägezähne. Es kann extrem hohe Kräfte aufnehmen, aber nur in eine Richtung. In die andere Richtung lässt es sich leicht drehen, trägt aber kaum Last.
  • Rundgewinde (Rd)
    • Anwendung: Glühbirnenfassungen (Edison-Gewinde), Kupplungsspindeln bei Eisenbahnwaggons, Feuerwehrschlauch-Kupplungen.
    • Erklärung: Das Gewinde hat keine scharfen Kanten, sondern ist rund. Es ist extrem unempfindlich gegen Schmutz, Staub und Beschädigungen (Kerbschlagwirkung ist gering).
  • Stahlpanzerrohrgewinde (Pg)
    • Anwendung: Veraltet, aber noch oft in Bestandsanlagen zu finden: Elektroinstallationen, Kabelverschraubungen an Schaltschränken.
    • Erklärung: Dünnwandige Rohre für Elektrokabel. Es wird heute fast vollständig durch metrisches Feingewinde (z. B. M20x1,5) ersetzt.