Dichtungstechnik

Dichtungstechnik

Dichtungen haben die Aufgabe, zwei Räume voneinander zu trennen, damit Stoffe (Gase, Flüssigkeiten) nicht austreten oder eindringen können (z. B. Öl bleibt im Getriebe, Schmutz bleibt draußen).

Man unterscheidet grundsätzlich in zwei Hauptgruppen:

  1. Statische Dichtungen: Die Bauteile bewegen sich nicht zueinander (z. B. Flansch, Zylinderkopf, Rohrverschraubung).
  2. Dynamische Dichtungen: Die Bauteile bewegen sich zueinander (z. B. drehende Welle, Hydraulikzylinder).

1. Statische Dichtungen (Ruhend)

Hier werden Dichtelemente zwischen zwei feste Flächen gepresst.

A. Flachdichtungen

  • Material: Papier, Gummi, Klingerit (Faserstoff), Kork.
  • Einsatz: Gehäusedeckel, Wasserleitungsflansche.
  • Prinzip: Unebenheiten der Dichtflächen werden durch das weiche Dichtmaterial ausgeglichen.

B. Profildichtungen (O-Ringe)

Der O-Ring ist das meistverwendete Dichtelement weltweit.

  • Form: Endloser Runddichtring.
  • Einbau: Liegt meist in einer Nut.
  • Wirkung: Wird beim Einbau leicht verpresst. Steigt der Systemdruck, drückt er den O-Ring stärker in die Dichtecke Dichtwirkung steigt automatisch.

C. Metallische Dichtungen

  • Kupfer- oder Aluminiumringe: Bei Ölablassschrauben oder Hohlschrauben.
  • Funktion: Das weiche Metall verformt sich beim Anziehen plastisch und dichtet ab.
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Metallische Dichtringe (Kupfer/Alu) verhärten durch die Verformung (Kaltverfestigung). Sie sollten nie wiederverwendet werden, da sie beim zweiten Mal nicht mehr zuverlässig dichten.


2. Gewindeabdichtung (Spezialfall)

Besonders bei Rohrgewinden (Wasser, Gas, Druckluft) muss das Gewinde selbst abgedichtet werden.

Dichtmittel Eigenschaften Vor-/Nachteile
Hanf & Dichtpaste Der Klassiker ("Neo-Fermit"). Hanf quillt bei Wasserkontakt auf. Vorteil: Man kann die Verschraubung korrigieren (leicht zurückdrehen) und sie bleibt dicht.
Nachteil: Schmutzig, nicht für alles erlaubt (z.B. Öl).
PTFE-Band (Teflon) Dünnes weißes Kunststoffband. Vorteil: Sauber, chemisch beständig (Öl, Benzin).
Nachteil: Kein Rückdrehen! Sobald man zurückdreht, ist es undicht.
Flüssigdichtung Klebstoff, der unter Luftabschluss aushärtet (anaerob). Vorteil: Sehr einfach, dichtet 100%.
Nachteil: Muss aushärten, schwer lösbar (je nach Festigkeit).

3. Dynamische Dichtungen (Bewegt)

Hier gleitet eine Dichtlippe auf einem bewegten Teil. Die Oberfläche (Lauffläche) muss extrem glatt und hart sein, sonst verschleißt die Dichtung sofort.

A. Radial-Wellendichtring ("Simmerring")

Dichtet eine drehende Welle gegen ein Gehäuse ab (z. B. Kurbelwelle am Motor, Getriebeausgang).

  • Aufbau: Metallgehäuse mit Gummilippe und einer Schlauchfeder (drückt die Lippe an die Welle).
  • Einbau-Tipp: Die "offene" Seite (wo die Feder ist) muss immer zum abzudichtenden Medium (Öl) zeigen. Der Druck drückt die Lippe dann fester an.

B. Hydraulikdichtungen (Nutringe)

Dichten linear bewegte Kolbenstangen ab (Hydraulikzylinder).

  • Stangendichtung: Dichtet die ausfahrende Stange ab.
  • Kolbendichtung: Dichtet im Inneren des Zylinders die Kammern gegeneinander ab.
  • Abstreifer: Ein zusätzlicher Ring, der Schmutz von der einfahrenden Stange abstreift, damit er nicht in den Zylinder gelangt.

4. Wichtige Werkstoffe (Materialien)

Nicht jede Dichtung verträgt jedes Öl oder jede Temperatur.

Kürzel Chemischer Name Eigenschaften / Verwendung
NBR Acrylnitril-Butadien-Kautschuk Standard-Material. Beständig gegen Öl, Fett, Wasser. Temp bis ca. C. (Farbe meist Schwarz).
FKM Fluor-Kautschuk (Markenname: Viton) Hochfest. Beständig gegen hohe Hitze (C), Benzin, Säuren. (Farbe oft Braun oder Grün). Teurer als NBR.
PTFE Polytetrafluorethylen (Teflon) Gleitfähig & Chemiefest. Fast universell beständig, sehr geringe Reibung. (Farbe Weiß).
EPDM Ethylen-Propylen-Kautschuk Achtung! Gut für Heißwasser/Dampf und Bremsflüssigkeit. Aber löst sich in Mineralöl auf!
Falsches Material = Leckage

Ein häufiger Fehler: Einen normalen O-Ring (NBR) in eine Heißwasser-Anlage einbauen (wird spröde) oder eine EPDM-Dichtung für Hydrauliköl verwenden (quillt auf und zerfällt).

Siehe auch