Gewindeformen (Spanlos)

🔩 Gewindeformen (Spanlos)

Beim Gewindeformen (auch "Furchen" genannt) wird das Material nicht geschnitten, sondern weggedrückt. Es ist ein Verfahren der Kaltumformung.


1. Das Prinzip

Ein Gewindeformer (sieht aus wie ein Gewindebohrer ohne Schneiden) wird in die Bohrung gedreht.

  • Er hat eine polygone Form (unrund), um die Reibung zu verringern.
  • Er drückt das Material zur Seite. Das Material fließt in die Gewindegänge des Werkzeugs.
  • Es entstehen keine Späne!

2. Der entscheidende Unterschied: Die Vorbohrung

Da das Material nach innen fließt ("aufgeworfen" wird), muss das Kernloch GRÖSSER gebohrt werden als beim Gewindeschneiden.

Verfahren Vorbohr-Formel (Faustformel) Beispiel M10 (P=1,5)
Gewindeschneiden
Gewindeformen
Fehlerquelle

Bohrst du für das Formen so klein wie für das Schneiden (z.B. 8,5mm bei M10), bricht der Gewindeformer sofort ab, weil kein Platz für das verdrängte Material ist!


3. Vorteile & Nachteile

Vorteile ✅ Nachteile ❌
Keine Späne (Prozesssicher, kein Verstopfen). Höheres Drehmoment nötig (Maschine muss stark sein).
Höhere Festigkeit: Der Faserverlauf wird nicht zerschnitten. Schmierung ist extrem wichtig (Öl statt Wasser).
Harte Oberfläche: Durch Kaltverfestigung. Nicht für alle Materialien (nur gut verformbare).
Sehr gute Oberflächengüte (glattgedrückt). Vorbohrdurchmesser muss sehr präzise sein.

4. Der Faserverlauf

  • Geschnittenes Gewinde: Die Fasern des Materials sind wie abgeschnittene Holzfasern (Kerbwirkung).
  • Geformtes Gewinde: Die Fasern werden umgeleitet (wie ein Astloch im Holz). Das Gewinde hält viel höhere Auszugskräfte aus.

(Geschnitten = unterbrochene Linien | Geformt = gebogene Linien)


5. Wann anwenden?

  • Bei Serienfertigung (keine Späne-Probleme).
  • Bei hochbelasteten Gewinden.
  • Bei Sacklöchern (keine Späne im Loch).
  • Materialien: Baustahl, Alu, Kupfer, rostfreier Stahl (gut verformbar).
  • Nicht möglich bei: Grauguss (bricht/bröselt) oder gehärtetem Stahl.