Passungen
Passungen (ISO-System)
Eine Passung beschreibt die maßliche Beziehung zwischen zwei Bauteilen, die zusammengefügt werden sollen (typischerweise eine Bohrung und eine Welle).
Da es in der Fertigung unmöglich ist, ein Maß (z. B. 20,000 mm) exakt zu treffen, definiert die Passung die zulässigen Toleranzen, damit die Teile trotzdem wie gewünscht funktionieren (gleiten, klemmen oder sitzen fest).
Eine Passungsangabe besteht immer aus drei Teilen:
- Nennmaß: (z. B.
20) Der theoretische Durchmesser in mm. - Toleranzlage (Buchstabe): (z. B.
Hoderf) Wo liegt die Toleranz? (Größer oder kleiner als Null).- Großbuchstaben (A-Z) = Bohrung (Innenmaß).
- Kleinbuchstaben (a-z) = Welle (Außenmaß).
- Toleranzgrad (Zahl): (z. B.
7) Wie groß ist die Toleranz? (Je kleiner die Zahl, desto präziser/teurer).
1. Die drei Passungsarten
Je nachdem, wie groß Bohrung und Welle zueinander sind, unterscheidet man drei Arten:
| Passungsart | Eigenschaft | Montage | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Spielpassung | Die Bohrung ist immer größer als die Welle. Es bleibt ein Spiel. | Teile lassen sich von Hand fügen und bewegen sich. | Lagerbuchsen, Scharniere, Laufpassungen. |
| Übergangspassung | Zufall entscheidet: Je nach Ist-Maß entsteht ein kleines Spiel oder ein kleines Übermaß. | Montage mit dem Gummihammer (leichtes Klopfen). | Zentrierstifte, Zahnräder auf Wellen (austauschbar). |
| Übermaßpassung (Presspassung) | Die Bohrung ist immer kleiner als die Welle. Es besteht Übermaß. | Montage nur mit Presse oder thermisch (Schrumpfen/Dehnen). | Welle-Nabe-Verbindungen, festsitzende Lager. |
2. Die Passungssysteme
Es gibt zwei Möglichkeiten, Passungen zu kombinieren. In der Praxis dominiert fast immer eines davon.
A. System Einheitsbohrung (Standard)
- Kennzeichen: Die Bohrung ist immer H (z. B. H7).
- Prinzip: Die Bohrung hat als Mindestmaß genau das Nennmaß (Toleranzfeld geht ins "Plus", 0 bis +x). Die gewünschte Passung wird durch Anpassung der Welle erzeugt.
- Warum? Es ist viel teurer, verschiedene Bohrungen (benötigt zig Reibahlen) herzustellen, als eine Welle auf ein bestimmtes Maß abzudrehen/schleifen.
- Merkregel: "Wir bohren ein Loch (H7) und passen die Welle an."
B. System Einheitswelle (Selten)
- Kennzeichen: Die Welle ist immer h (z. B. h6).
- Prinzip: Die Welle hat als Höchstmaß das Nennmaß (0 bis -x). Die Bohrung wird angepasst.
- Anwendung: Bei fertigen Halbzeugen (z. B. gezogene Wellen im Transmissionsbau), die nicht mehr bearbeitet werden sollen.
3. Gängige Passungskombinationen (Werkstatt-Tabelle)
Wenn man das System Einheitsbohrung (H7) nutzt, sind dies die häufigsten Partner für die Welle:
| Welle (Kleinbuchstabe) | Passungsart | Verwendung / Gefühl |
|---|---|---|
| h6 / h9 / h11 | (Spiel) | Gleicher Charakter: Passt genau, lässt sich verschieben. Oft für Steckverbindungen. |
| f7 | Spielpassung | Beweglich: "Laufpassung". Welle dreht sich gut in der Bohrung (z. B. Gleitlager). |
| g6 | Spielpassung | Eng beweglich: Lässt sich saugend schieben, kaum spürbares Wackeln. |
| m6 | Übergang | Festsitz: Montage mit Hammer. Kann demontiert werden. (Häufigste Maschinenbau-Passung!). |
| r6 / s6 | Übermaß | Presssitz: Hält bombenfest. Montage meist durch Erhitzen der Bohrung oder Kühlen der Welle. |
4. Berechnungsbeispiel (Spiel oder Übermaß?)
Um zu wissen, ob eine Passung passt, vergleicht man die Grenzmaße.
Gegeben:
- Blick ins Tabellenbuch:
- Bohrung
: / mm (30,000 bis 30,021 mm) - Welle
: / mm (29,959 bis 29,980 mm)
- Bohrung
Rechnung (Höchstspiel
Rechnung (Mindestspiel
Ergebnis: Es ist immer ein Spiel vorhanden (zwischen 0,02 und 0,06 mm).
5. Tipps für die Praxis
- Messen: Passungen misst man nicht mit dem Messschieber!
- Bohrungen
Innenmessschraube oder Grenzlehrdorn ("Gut/Schlecht-Lehre"). - Wellen
Bügelmessschraube (Mikrometer).
- Bohrungen
- Temperatur: Die Norm gilt bei
C. Wenn du ein präzises Lager (H7/g6) in einer kalten Werkstatt misst und das Teil warm in der Hand hältst, stimmt das Maß nicht mehr! - Oberfläche: Eine H7-Bohrung muss eine hohe Oberflächengüte haben (meist gerieben), sonst sind die "Spitzen" der Rauheit schnell weg und die Passung klappert.
Siehe auch
- Dichtungstechnik (Welche Passung braucht ein O-Ring?)
- Metrisches ISO-Gewinde (Toleranzen bei Gewinden sind ähnlich, z.B. 6g)