Reibung
Reibung (Grundlagen & Arten)
Reibung ist der physikalische Widerstand, der auftritt, wenn sich zwei berührende Körper gegeneinander bewegen (oder bewegen wollen).
In der Technik ist Reibung oft unerwünscht (Verschleiß, Energieverlust), aber manchmal zwingend notwendig (Bremsen, Schraubverbindungen, Riemenantriebe).
Die Reibungskraft (
- Wie fest werden die Teile aneinander gedrückt? (Normalkraft
) - Wie rau/glatt sind die Oberflächen? (Reibwert
)
1. Die drei Reibungszustände
Man unterscheidet je nach Bewegungszustand drei Arten. Die Kraft, die nötig ist, um den Widerstand zu überwinden, sinkt von oben nach unten drastisch.
A. Haftreibung ( oder )
- Zustand: Die Körper bewegen sich nicht zueinander. Sie "kleben" aneinander.
- Kraft: Am höchsten. Man braucht viel Kraft, um einen schweren Schrank loszuschieben (Losbrechmoment).
- Beispiel: Eine angezogene Schraube (Selbsthemmung), ein Reifen, der auf der Straße greift (nicht rutscht).
B. Gleitreibung ( )
- Zustand: Die Körper gleiten flächig aufeinander.
- Kraft: Geringer als Haftreibung. Sobald der Schrank rutscht, geht es leichter.
- Beispiel: Trapezgewinde, Gleitlager, Schlitten auf einer Führung, blockierende Reifen (Bremsplatten).
- Nachteil: Hoher Verschleiß (Abrieb) und Wärmeentwicklung.
C. Rollreibung ( )
- Zustand: Wälzkörper (Kugeln, Rollen) rollen zwischen den Flächen.
- Kraft: Extrem gering (oft 100-mal kleiner als Gleitreibung!).
- Beispiel: Kugelgewindetrieb (KGT), Kugellager, Autoreifen (beim Fahren).
- Vorteil: Kaum Verschleiß, sehr effizient.
2. Der Reibwert ( ) im Vergleich
Hier sieht man, warum Wälzlager (Kugellager) im Maschinenbau so dominant sind.
| Paarung | Reibungsart | Reibwert |
|---|---|---|
| Stahl auf Stahl (trocken) | Haftreibung | 0,15 - 0,30 |
| Stahl auf Stahl (geölt) | Gleitreibung | 0,05 - 0,10 |
| Stahl auf Kunststoff (Teflon) | Gleitreibung | 0,04 |
| Kugellager (Stahl/Stahl) | Rollreibung | 0,001 - 0,002 |
Rollreibung ist ca. 50 bis 100 Mal leichter als Gleitreibung! Deshalb haben Kugelgewindetriebe einen Wirkungsgrad von >90%, während Trapezgewinde (Gleiten) oft unter 50% liegen.
3. Der Stick-Slip-Effekt (Ruckgleiten)
Ein gefürchtetes Phänomen bei CNC-Maschinen und Führungen.
Ursache:
Die Haftreibung ist deutlich größer als die Gleitreibung (
Ablauf:
- Ein Schlitten soll bewegt werden. Der Motor drückt, aber die Haftreibung hält dagegen ("Stick").
- Spannung baut sich auf, bis die Kraft die Haftreibung überwindet.
- Der Schlitten bricht los. Plötzlich wirkt nur noch die (viel kleinere) Gleitreibung.
- Der Schlitten schießt nach vorne ("Slip"), die Spannung im Antrieb fällt ab.
- Der Schlitten bleibt wieder stehen (Haftreibung greift wieder).
- Es beginnt von vorne
Rattern / Ruckeln.
Lösung:
- Verwendung von Rollführungen (Kugellager), da hier Haft- und Rollreibung fast gleich sind.
- Spezielle Gleitbahöle ("Bettbahnöl"), die die Haftreibung senken.
4. Schmierung (Tribologie)
Um Gleitreibung zu reduzieren und Verschleiß zu verhindern, nutzt man Schmierstoffe (Öl, Fett). Man unterscheidet nach der Stribeck-Kurve:
- Festkörperreibung: Metall berührt Metall (Verschleiß!).
- Mischreibung: Ein bisschen Öl ist da, aber die Spitzen berühren sich noch (beim Anfahren).
- Flüssigkeitsreibung (Hydrodynamik): Ein Ölfilm trennt die Teile komplett. Die Welle "schwimmt" auf dem Öl (Idealzustand im Gleitlager bei hoher Drehzahl).
Siehe auch
- Trapezgewinde (Beispiel für Gleitreibung)
- Kugelgewindetrieb (Beispiel für Rollreibung)
- Dichtungstechnik (Reibung an Dichtlippen)
- Passungen (Spiel ist nötig für den Schmierfilm)